Grill anzünden: mit Anzündkamin, ohne Kamin und ohne Anzünder

Von Haris Z. - zuletzt aktualisiert am 2. November 2026
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Kurz-Antwort: Am einfachsten und sichersten zündet man einen Holzkohlegrill mit dem Anzündkamin an: Kamin mit Kohle füllen, zwei bis drei Anzündwürfel (oder etwas Zeitungspapier) darunter anzünden und warten, bis die oberste Kohle grau überzogen ist. Holzkohle braucht etwa 15–20 Minuten, Briketts 25–40. Ohne Kamin geht es mit einer Kohlepyramide und festen Anzündern, das dauert länger. Spiritus, Benzin und andere flüssige Brandbeschleuniger haben am Grill nichts verloren.

Zeitungspapier unter den Kohlehaufen, Flüssiganzünder, Föhn, Blasebalg – auf Grillpartys sieht man so ziemlich jede Methode. Meiner Meinung nach ist der Anzündkamin das beste und einfachste Hilfsmittel: schnell, sauber und ohne Chemiegeschmack. Hier steht, wie das genau geht, was man ohne Kamin machen kann und welche Fehler man sich sparen sollte.

Die Methoden im Vergleich

Die Zeiten sind Richtwerte bis zur grillfertigen Glut, also bis die Kohle rundum weiß-grau überzogen ist und nicht mehr qualmt. Wind, Kohlequalität und Menge machen schnell 5–10 Minuten Unterschied.

MethodeDauer bis GlutVorteileNachteile
Anzündkamin + AnzündwürfelHolzkohle ca. 15–20 Min., Briketts ca. 25–40 Min.schnell, gleichmäßig, kein Chemiegeschmack, kein Strom nötigKamin wird sehr heiß, Handschuhe nötig
Anzündkamin + Zeitungspapieretwas länger als mit Würfelnkostet nichtsviel Asche und Papierflocken, bei Briketts manchmal zu schwach
Kohlepyramide + feste AnzünderHolzkohle ca. 25–35 Min., Briketts deutlich längerkein Zubehör nötigungleichmäßige Glut, Kohle muss danach verteilt werden
Elektro-Anzünder (Heizstab)ca. 10–20 Min.kein Rauch vom Anzünder, keine Chemiebraucht Steckdose, nur für kleinere Mengen
Heißluft-Anzünder (Gebläse)wenige Minuten bis zur ersten Glut, durchgeglüht ca. 10–15 Min.sehr schnellStrom oder Akku, Funkenflug
Spiritus, Benzin, Lampenölkeine OptionkeineStichflammen, Verpuffung, Lebensgefahr

Was ist ein Anzündkamin und wie funktioniert er?

Der Anzündkamin ist mehr oder weniger ein Blechrohr mit Griff, Löchern an den Seiten und einem Rost im unteren Drittel. Oben kommt die Kohle rein, darunter brennt ein Anzünder. Die heiße Luft steigt nach oben und zieht durch die seitlichen Löcher frische Luft nach. Durch diese Kaminwirkung bekommt die Kohle genug Sauerstoff und glüht von unten nach oben durch – deutlich schneller als in einem flachen Haufen im Grill.

Der zweite Vorteil ist die Sicherheit. Man braucht keinen Brandbeschleuniger, es gibt keine Stichflammen, und die Kohle ist gleichmäßig durch, wenn sie in den Grill kommt. Mehr zum Prinzip steht auf Wikipedia.

Grill anzünden mit Anzündkamin: Anleitung Schritt für Schritt

  1. Kamin füllen. Holzkohle oder Briketts oben einfüllen, maximal bis zum Rand (wie viel man braucht, steht weiter unten).
  2. Feuerfesten Platz suchen. Am besten direkt auf den Kohlerost im Grill stellen (dort, wo die Glut später liegen soll). Nicht auf Holzterrasse, Kunststoffplatten oder trockenen Rasen.
  3. Anzünder drunter. Zwei bis drei Anzündwürfel aus Holzwolle und Wachs auf den Kohlerost legen, anzünden, Kamin darüberstellen. Ohne Würfel gehen auch zwei, drei locker zerknüllte Blätter Zeitungspapier.
  4. Warten. Nicht rütteln, nicht nachschauen. Die Luft muss frei von unten durchziehen können, der Grilldeckel bleibt offen bzw. ab.
  5. Fertig erkennen. Die Kohle ist bereit, wenn oben aus dem Kamin Flammen schlagen oder die oberste Lage graue Ascheränder zeigt. Briketts erst, wenn sie rundum mit weißer Asche überzogen sind. Klingt banal, ist aber der häufigste Fehler: zu früh auskippen.
  6. Auskippen. Grillhandschuhe an, Kamin an beiden Griffen anheben, Glut auf dem Kohlerost verteilen. Grillrost drauf, Deckel zu, 5–10 Minuten vorheizen. Rost abbürsten und los gehts.

Wie lange braucht die Kohle im Anzündkamin?

Weber gibt für seinen Rapidfire-Kamin etwa 20 Minuten für Holzkohle und etwa 40 Minuten für Briketts an. In der Praxis ist gute, grobstückige Holzkohle oft schon nach etwa 15 Minuten oben grau, Briketts brauchen meist 25–30 Minuten (bei Wind oder billigen Briketts auch länger). Kokosbriketts sind am langsamsten.

Dauert es deutlich länger, liegt es fast immer an einem von drei Dingen: feuchte Kohle, zu viel Staub und Bruch im Kamin (verstopft die Luftwege) oder zu wenig Anzünder. Drei Würfel sind für einen großen Kamin mit Briketts eher die Untergrenze.

Wie viel Kohle gehört in den Anzündkamin?

Am einfachsten rechnet man nicht in Kilo, sondern in Kaminfüllungen. Für einen Kugelgrill mit 57 cm Durchmesser und einen großen Kamin gilt ungefähr:

  • Kamin voll: direkte, starke Hitze für Steaks, Burger und Würstel, oder ein langer Abend mit Briketts.
  • Kamin halb voll: mittlere Hitze, für Gemüse, Fisch, Hendlteile oder einen kleineren Grill.
  • Ein Viertel bis ein Drittel: reicht für einen kleinen Tisch- oder Campinggrill.

Eine Füllung Holzkohle liefert etwa 45–90 Minuten gute Hitze, Briketts halten 2–4 Stunden. Wer länger grillt, heizt nach etwa einer Stunde einen zweiten Kamin an – einer der praktischsten Vorteile vom Kamin. Welche Kohle wofür besser passt, steht im Vergleich Holzkohle oder Briketts.

Grillkohle und Briketts richtig anzünden: die Unterschiede

Holzkohle zündet schnell, wird sehr heiß und lässt danach relativ rasch nach. Am besten große Stücke nehmen. Staub und Bruch unten im Sack gehören nicht in den Kamin, sonst verstopft der Rost.

Briketts sind dichter und brauchen mehr Zeit und mehr Anzünder. Erst auflegen, wenn sie rundum weiß sind – wer zu früh grillt, schmeckt das unverbrannte Bindemittel. Ein praktischer Trick für beides: Briketts im Kamin durchglühen lassen, in den Grill kippen und eine Lage Holzkohle darüberstreuen. Die zündet an der Brikettglut in wenigen Minuten und liefert die Spitzenhitze zum Anbraten.

Grill anzünden: Deckel auf oder zu?

Beim Anzünden: Deckel auf und alle Lüftungsschieber offen. Feuer braucht Sauerstoff, mit geschlossenem Deckel erstickt die Kohle eher, als dass sie durchglüht. Das gilt für den Anzündkamin im Grill genauso wie für die Pyramide.

Sobald die Glut verteilt ist und der Rost aufliegt: Deckel zu, Lüftungen offen. So heizt der Grill samt Rost in 5–10 Minuten auf, und angebrannte Reste vom letzten Mal lassen sich leichter abbürsten.

Kugelgrill anzünden

Beim Kugelgrill ist der Anzündkamin fast schon Pflicht. Deckel ab, Grillrost raus, unteren Lüftungsschieber ganz öffnen und die Asche vom letzten Mal aus dem Kessel holen (sonst zieht die Luft nicht durch). Dann den Kamin mit den Anzündwürfeln direkt auf den Kohlerost stellen. Nach dem Auskippen verteilt man die Glut je nach Plan: flach über den ganzen Rost für direktes Grillen, auf eine Seite für eine Zwei-Zonen-Glut oder links und rechts in Kohlekörbe fürs indirekte Grillen. Deckel drauf, Deckelschieber offen, vorheizen.

Grill anzünden ohne Kamin

Kein Kamin zur Hand? Dann hilft eine Pyramide. Das funktioniert bei jedem Holzkohlegrill:

  1. Vier bis sechs feste Anzünder (Holz-Wachs-Würfel) in die Mitte des Kohlerosts legen.
  2. Holzkohle locker darüber zu einer Pyramide schichten, sodass die Anzünder in der Mitte noch Luft bekommen.
  3. Anzünder anzünden, Lüftung unten auf, Deckel offen.
  4. Nach 25–35 Minuten ist die Pyramide durchgeglüht. Mit Grillzange oder Schürhaken auseinanderziehen und verteilen.

Das funktioniert, braucht aber mehr Anzünder und mehr Geduld, und die Glut wird ungleichmäßiger als im Kamin. Mit Briketts dauert es spürbar länger. Wer öfter als zweimal im Jahr grillt, ist mit einem Kamin um 20–30 Euro besser bedient.

Grill anzünden ohne Anzünder und mit Zeitungspapier

Mit Zeitungspapier klappt es am besten im Anzündkamin. Zwei, drei Doppelseiten locker zu Knäueln drehen, unter den Kamin legen und an mehreren Stellen anzünden (nicht zu fest stopfen, sonst kommt keine Luft durch). Bei Holzkohle reicht das meistens, bei Briketts brennt das Papier oft ab, bevor die Kohle richtig angeht – dann einfach nachlegen.

Ganz ohne Kamin ist Zeitungspapier unter einem Kohlehaufen eine zähe Sache. Das Papier verbrennt in zwei Minuten, die Kohle wird nur angekokelt. Besser geht es mit trockenem Kleinholz: Papier unten, darüber ein paar dünne Holzspäne oder Zweige, dann die Kohle. Eine bekannte Notlösung ist Küchenpapier mit etwas Speiseöl. Das brennt deutlich länger als trockenes Papier und ist ungefährlich, qualmt aber ordentlich (also eher, wenn sonst nichts da ist).

Weitere Alternativen sind Elektro-Anzünder (Heizstab in die Kohle legen) und Heißluftgebläse. Beide funktionieren ohne Chemie, brauchen aber Strom oder einen Akku. Einen Überblick mit Vor- und Nachteilen gibt es bei den Grillanzündern.

Grill anzünden mit Spiritus? Nein, niemals

Spiritus, Benzin und Lampenöl gehören nie an den Grill. Spiritus verdunstet schon bei Zimmertemperatur. Über der Kohle bildet sich ein Gas-Luft-Gemisch, das sich schlagartig entzündet. Die Barmer warnt, dass dabei mehrere Meter hohe Stichflammen entstehen können. Besonders tückisch ist das Nachgießen auf scheinbar erloschene Kohle, die innen noch glüht – die Flamme kann bis in die Flasche zurückschlagen.

Flüssige Grillanzünder aus dem Handel sind etwas anderes als Spiritus, aber auch die dürfen nur auf kalte Kohle und nie nachgegossen werden. Meiner Meinung nach sind feste Anzünder einfacher und sicherer, und nichts riecht nach Petroleum.

Laut Deutscher Gesellschaft für Verbrennungsmedizin passieren in Deutschland jedes Jahr rund 4.000 Grillunfälle, ein großer Teil davon mit flüssigen Brandbeschleunigern. Betroffen sind oft auch Kinder, die daneben stehen. Also: feste Anzünder nehmen (am besten nach DIN EN 1860-3) und einen Kübel Wasser oder Sand in die Nähe stellen. Wenn die Kohle nicht will: neuen Anzündwürfel drunter, nie etwas Flüssiges drauf.

Die häufigsten Fehler beim Anzünden

  • Zu früh auflegen. Solange die Kohle qualmt oder schwarze Stellen hat, schmeckt man das am Fleisch.
  • Feuchte Kohle. Offen im Gartenhaus gelagert zieht sie Wasser, zündet schlecht und raucht. Tipps zur Lagerung stehen in der Grillkohle-FAQ.
  • Lüftung zu. Unterer Schieber geschlossen oder Aschebehälter voll – dann geht nichts weiter.
  • Kohlestaub im Kamin. Bruch und Staub verstopfen den Rost des Kamins.
  • Ohne Handschuhe. Das Blech wird extrem heiß, auch der Griff kann warm werden.

Weitere typische Patzer stehen in 15 Fehler beim Grillen.

Anzündkamin kaufen: worauf achten?

Ein Kamin muss nicht teuer sein, ein paar Dinge machen im Alltag aber den Unterschied: ein Hitzeschild zwischen Griff und Rohr, ein zweiter Bügel oben zum sicheren Auskippen, ein stabiler Rost, der sich nach dem zehnten Einsatz nicht durchbiegt, und eine Größe, die zum Grill passt. Für einen 57er Kugelgrill einen großen Kamin, für Tisch- und Campinggrills reicht ein kleiner.

Drei Modelle, die im November 2026 erhältlich sind (Preise Stand November 2026):

  • Weber Rapidfire Anzündkamin (7416), um 25 Euro. Der Klassiker aus aluminiertem Stahl, 32 cm hoch, mit Kunststoffgriff und zweitem Drahtbügel zum Auskippen. Die Füllung reicht für einen Kugelgrill. Weber Rapidfire auf Amazon ansehen
  • Weber Kleiner Rapidfire Anzündkamin (7447), um 20 Euro. Die kompakte Version für kleine Grills, Camping oder kurze Grillrunden. Für einen 57er Kugelgrill auf Dauer zu klein. Kleinen Rapidfire auf Amazon ansehen
  • tepro Anzündkamin XL (8331), um 30 Euro. Verzinkter Stahl, Holzgriff, Hitzeschutz und Funkenschutz, ausgelegt auf einen 57er Kugelgrill. Das ETM Testmagazin hat ihn 2021 zum Testsieger gekürt. tepro Anzündkamin XL auf Amazon ansehen

Passende Anzündwürfel und andere Anzündhilfen gibt es bei den Grillanzündern.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis der Grill mit Anzündkamin bereit ist?

Holzkohle etwa 15–20 Minuten, Briketts 25–40 Minuten. Danach noch 5–10 Minuten mit geschlossenem Deckel vorheizen, dann kann das Grillgut drauf.

Woran erkenne ich, dass die Kohle fertig ist?

An der grau-weißen Ascheschicht auf der obersten Lage. Oben schlagen kleine Flammen heraus, und es qualmt kaum noch. Briketts müssen rundum mit weißer Asche bedeckt sein.

Kann ich den Grill mit Spiritus anzünden?

Nein. Spiritus und Benzin bilden über der Kohle ein explosives Gas-Luft-Gemisch, dabei entstehen Stichflammen von mehreren Metern – lebensgefährlich. Feste Anzünder oder ein Anzündkamin sind die sichere Wahl.

Wo stelle ich den Anzündkamin hin?

Am besten direkt auf den Kohlerost im Grill. Dort ist der Untergrund feuerfest, und man muss die Glut nicht weit tragen. Holzböden, Kunststoff und trockener Rasen sind tabu.

Kann ich Holzkohle und Briketts zusammen im Kamin anzünden?

Geht, ist aber unpraktisch: Die Holzkohle lässt schon nach, wenn die Briketts gerade erst durch sind. Besser Briketts zuerst im Kamin anzünden, in den Grill kippen und Holzkohle obendrauf streuen.

Wie bekomme ich die Glut ohne Kamin hin?

Mit einer Kohlepyramide über vier bis sechs festen Anzündern – Deckel offen, Lüftung auf. Nach 25–35 Minuten ist Holzkohle durch und wird verteilt. Mit Briketts dauert es länger.

Über den Autor: Haris Z.

Ich grille seit über 15 Jahren mit Holzkohle, am liebsten im Kugelgrill und im Smoker. Seit 2016 teste ich hier Grills, Kohle und Zubehör, die ich selbst gekauft und benutzt habe. Wenn etwas nichts taugt, steht das auch so da. Mehr über mich und wie ich teste.

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